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Umwelt und Landwirtschaft in Sachsen
Zu den unangenehmsten Hinterlassenschaften der DDR gehörte eine in einigen Teilen des Landes völlig zerstörte Umwelt. Europaweit war die DDR einer der größten Umweltsünder: „Kein anderes Land wies eine so hohe Schwefeldioxidemission auf. Auch bei der Staubemission nahm sie den ersten Platz ein und behauptete sich bei fast allen anderen Schadstoffen ebenfalls konsequent in der Spitzengruppe. 1989 galten nur 3 Prozent der Fließgewässer und nur ein Prozent der stehenden Gewässer als ökologisch intakt. Der Waldbestand war zu 50 Prozent krank oder tot. Viele Böden waren kontaminiert. Das Abwassersystem war marode, die Agrarflächen durch Dünger und Pestizide verseucht, die Energie knapp.“[1] Das Erbe das der Freistaat Sachsen und die anderen neuen Bundesländer antraten war somit ein Gewaltiges.
Erfolgreiche Sanierung der Altlasten
Heute, 20 Jahre nach der Wiedervereinigung, sind die großen Sanierungsprojekte weitgehend abgeschlossen. Zu den wichtigsten Aufgaben in Sachsen gehörte dabei die Sanierung des ehemaligen Uranerzbergbaus und die Braunkohlesanierung. Mit einem Budget von insgesamt 78 Mio. Euro bis 2012, das je zur Hälfte vom Bund und vom Freistaat getragen wird, werden noch bestehende Umweltschäden aus dem ehemaligen Uranerzbergbau saniert. Bisher wurden 39 Mio. Euro ausgegeben und etwa 150 Sanierungsobjekte bereits erfolgreich abgeschlossen. 8,6 Mrd. Euro sind seit 1991 bis 2008 von Bund und Ländern in die Braunkohlesanierung geflossen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die betroffenen Regionen wieder lebenswert und attraktiv zu machen. Zudem sind im Bereich der Umweltsanierung eine Vielzahl von Arbeitsplätzen entstanden; die Umwelttechnik ist in Sachsen ein Sektor mit hohem Innovations- und Wachstumspotenzial geworden.
Die Schwefeldioxidemissionen nahmen in Sachsen in den letzten 15 Jahren um 95 Prozent ab. Die Wasserqualität hat sich signifikant verbessert, die viel zitierten Lachse in der Elbe zeugen davon. Allein im letzten Jahrzehnt ist der Wasserverbrauch in Sachsen um 50 Prozent zurückgegangen. Heute sind vier Fünftel aller Sachsen an Kläranlagen angeschlossen. 84 Prozent der kommunalen Abwasseranlagen wurden seit 1991 saniert oder neu errichtet. In die Abfallinfrastruktur flossen Investitionen von 400 Mio. Euro. Auch wenn sicherlich nicht alle diese Maßnahmen aus ökologischer Sicht sinnvoll und unumstritten sind, so muss man doch konstatieren, dass sich die Umweltsituation in Sachsen in den 20 Jahren seit der Wiedervereinigung unverhältnismäßig verbessert hat. Die Lebensqualität der Menschen im Land hat dadurch enorm gewonnen.
Landwirtschaft
Als Folge der Zwangskollektivierung war die Landwirtschaft zu DDR-Zeiten geprägt durch Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPGs), nur etwas mehr als sieben Prozent der Nutzfläche befanden sich in privater Hand. Nach der Wiederherstellung der deutschen Einheit hat sich diese Betriebsstruktur stark verändert. In Ostdeutschland bewirtschaften heute 30.100 Betriebe rund 5,6 Mio. ha landwirtschaftlicher Fläche. In Sachsen gab es 2008 8.023 landwirtschaftliche Betriebe. Der Anteil der Einzelbetriebe und Personengesellschaften ist gegenüber früher stark gestiegen. Durchschnittlich hat ein landwirtschaftlicher Betrieb in Ostdeutschland heute 197 ha Fläche. In Sachsen sind die landwirtschaftlich genutzten Flächen pro Betrieb jedoch kleiner, hier bewirtschaften 82 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe Flächen, die geringer sind als 100 ha.
Sinkende ökonomische Bedeutung der Landwirtschaft
Der Beitrag der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei an der Bruttowertschöpfung der sächsischen Gesamtwirtschaft ging seit den 90er Jahren stetig zurück. Der Anteil schwankte zwischen 1,8 % (1991) und 0,8 % (2006). Die Bruttowertschöpfung der Landwirtschaft konnte trotz Ertrags- und Leistungssteigerungen nicht so schnell wachsen wie die der meisten anderen Wirtschaftsbereiche. Eine wesentliche Ursache liegt in den hohen, ständig steigenden Kosten für Vorleistungen (Dünger, Futter etc.). Der Beitrag der sächsischen Land- und Forstwirtschaft an der bundesweiten Bruttowertschöpfung dieses Wirtschaftsbereichs liegt mit 4,2 % jedoch höher als der Anteil der sächsischen Gesamtwirtschaft an der gesamten Bruttowertschöpfung Deutschlands (3,8 %).
Die Zahl der Erwerbstätigen in der sächsischen Land-, Forstwirtschaft und Fischerei sank seit 1995 mit Ausnahme des Jahres 2007 stetig ab. Mit 41.700 Erwerbstätigen kam es auch 2008 im Vergleich zum Vorjahr zu einem leichten Rückgang der Arbeitskräftezahl um 0,4 Prozent. Damit waren 2,1 % aller Erwerbstätigen Sachsens in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt. Die Altersstruktur der landwirtschaftlich Beschäftigten weist ein relativ hohes Durchschnittsalter auf, so dass für die Zukunft mit einem weiteren Rückgang der Beschäftigtenzahl zu rechnen ist.
Alles öko in der Landwirtschaft?
Die Bedeutung der Landwirtschaft für die sächsische Wirtschaft ist also seit der Wende stark rückläufig. Im Gegenzug wächst der Landwirtschaft eine immer größere Bedeutung in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz sowie Gestaltung einer lebenswerten Umwelt zu. Auch wird es in der Zukunft als Folge des allgemeinen Trends hin zu Bio-Lebensmitteln wenn nicht zu einer quantitativen Veränderung so doch in einigen Bereichen zu einer qualitativen Veränderung der sächsischen Landwirtschaft kommen müssen, wenn sie international konkurrenzfähig bleiben will. Erste Schritte in diese Richtung sind bereits dank einer umfassenden Förderung gelungen, so hat sich die Anzahl und die Anbaufläche der ökologisch produzierenden landwirtschaftlichen Betriebe in Sachsen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Seit 2007 wurden in Sachsen mehr als 73 Mio. Euro für eine umweltschonende Landwirtschaft bewilligt, für die kommenden Jahre ist eine Aufstockung der Mittel für Agrarumweltmaßnahmen vorgesehen.
Annette Rehfeld-Staudt
[1] Aus: Ilko-Sascha Kowalczuk: Die 101 wichtigsten Fragen DDR, München 2009, S. 78.
