Hochschulpolitik

Hochschulpolitik

In Sachsen sind aus den ehemals 22 staatlichen Hochschulen im Zuge der Umstrukturierung nach dem Ende der DDR vier Universitäten, ein universitäres Hochschulinstitut, fünf Kunsthochschulen und fünf Fachhochschulen hervorgegangen.

Immer mehr junge Menschen wollen in Sachsen studieren
Zwischen dem Wintersemester 1992/93 und dem Wintersemester 2005/06 verdoppelte sich die Zahl der an sächsischen Hochschulen eingeschriebenen Studenten von 53.601 auf 107.792. Im Oktober 2009 verfügte der Freistaat über 26 Hochschulen mit 109.213 Studenten. Mit dieser Entwicklung unterscheidet sich der Freistaat signifikant vom Bundestrend, der lediglich eine Zunahme der Studentenzahlen von ungefähr acht Prozent ausweist. Die Technische Universität Dresden ist mit 32.776 Studenten (Stand: Oktober 2009) die größte Hochschule Sachsens. Die 1409 gegründete Leipziger Universität ist die zweitälteste Hochschule Deutschlands und hatte im Wintersemester 2008/09 26.299 Studenten. Hier studierten schon deutsche Geistesgrößen wie Goethe und Lessing. Die TU Chemnitz ist mit rund 10.000 Studenten die zweitgrößte sächsische Universität. Mit der TU Bergakademie Freiberg, an der sich 2009 die 5.000ste Studentin eingeschrieben hat, besitzt der Freistaat die älteste montanwissenschaftliche Universität der Welt. Außerdem gibt es in Sachsen acht Spezial-Hochschulen in privater oder freier Trägerschaft. 70 Prozent der Studenten im Freistaat studierten 2009 an einer Universität, 26,4 Prozent an einer Fachhochschule. Der Anteil der ausländischen Studierenden ist zwar von 1993 4,9 Prozent auf 9,3 im Jahr 2008 gewachsen, dennoch liegt der Ausländeranteil bei den Studierenden in Sachsen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Die Studierneigung in Sachsen wächst
Da zu DDR-Zeiten der Zugang zu einem Hochschulstudium stark reglementiert gewesen war, erhöhte sich nach der Wiedervereinigung die Zahl der studienberechtigten Schulabgänger sprunghaft. Waren 1992 erst 9.337 Schulabgänger studienberechtigt, so ist ihre Zahl im Jahr 2006 auf 20.759 angestiegen und lag 2008 bei 20.263, was einer Zunahme um 117 Prozent entspricht. Sachsen hatte im Jahr 2008 eine Studienberechtigtenquote (= Anteil der Studienberechtigten an der altersspezifischen Bevölkerung) von 38 Prozent, bundesweit lag diese Quote bei 45,1 Prozent. Besonders gering war dabei der Anteil derer, die eine Fachhochschulreife erworben haben, in Sachsen lag er bei nur 6,9 Prozent, bundesweit bei 13,4 Prozent. In Sachsen ist die Studierneigung in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen, sie hat sich 2004 dem Bundesniveau angeglichen und liegt seit 2006 geringfügig darüber. Die Zahl der Studienanfänger hat von 12.099 im Studienjahr 1993 bis auf 21.792 im Studienjahr 2003 kontinuierlich um 87,8 Prozent zugenommen. Seither sind die Zahlen leicht schwankend, zu Beginn des Wintersemesters 2009/10 betrug die Zahl der Studienanfänger an den sächsischen Hochschulen 19.586, an den Fachhochschulen lag sie bei 6.138. Mit 21,3 Prozent im Jahr 2008 ist der Anteil derer, die während des Studiums einen Fachwechsel vornehmen, relativ groß. Der Anteil der Landeskinder, die auch an sächsischen Hochschulen studieren, ist stark rückläufig. Kamen 1993 noch fast 70 Prozent der Studienanfänger aus Sachsen, so lag ihr Anteil im Wintersemester 2007/08 nur noch bei knapp 53 Prozent. 13 Prozent der Anfänger haben ihr Abitur im Ausland erworben, 22 Prozent in den anderen neuen Bundesländern, 12,5 Prozent stammen aus den alten Bundesländern. Wie eine Befragung von potenziellen Studenten im Jahr 2009 ergab, hat Sachsen bei vielen jungen Leuten ein Imageproblem, gilt es doch als „altmodisch“, „abstoßend“ und „grau“. Gegen ein Studium in Sachsen sprechen aus Sicht der Befragten auch die hohe Arbeitslosigkeit, der Rechtsextremismus und der „unangenehme Dialekt“. Als positiv werden jedoch die geringen Lebenshaltungskosten und die geringen Studiengebühren eingeschätzt.

Sachsen – Land der Ingenieure
Die Fächergruppe „Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“ ist bei den sächsischen Studenten im Wintersemester 2009/10 am beliebtesten. Ein Viertel aller Studierenden haben ein Fach aus dieser Gruppe belegt und auch die Zahl der Neueinschreibungen ist hier am größten. Während diese Vorliebe dem allgemeinen Bundestrend entspricht, ist die Begeisterung der Studenten für die Ingenieurwissenschaften eine sächsische Besonderheit, auf die das Land aufgrund seiner traditionellen Stärke im technischen Bereich besonders stolz ist. Ein Viertel aller Studierenden ist in diesem Bereich tätig und auch bei den Ersteinschreibungen belegen die Ingenieure nur knapp den zweiten Platz.

Das Personal an Sachsens Hochschulen
Da die staatlichen Hochschulen der DDR personell weit höher ausgestattet waren, wurde ihr Stellenvolumen im Zuge der Umstrukturierung halbiert und das bisherige Personal zu über 80 Prozent entlassen. Ein besonders starker Personalaustausch fand in den ideologisch belasteten Geistes-, Rechts-, Erziehungs- und Sozialwissenschaften statt. Hier wurden unmittelbar nach der Wende überwiegend westdeutsche Professoren eingestellt, in den Natur- und Ingenieurwissenschaften stammten die Neuberufungen zu etwa einem Drittel aus dem Westen.

Im Jahr 2008 arbeiteten 29.551 Beschäftigte an den sächsischen Hochschulen, davon 49,6 Prozent im wissenschaftlichen und künstlerischen Bereich und 50,4 Prozent im nichtwissenschaftlichen Bereich. Gegenüber dem Jahr 1999 nahm die Zahl der Beschäftigten an den Hochschulen damit um 10,6 Prozent zu, führt man sich dagegen den Anstieg der Studentenzahlen im gleich Zeitraum vor Augen, so muss man feststellen, dass sich die Betreuungsrelation erheblich verschlechtert hat. Die Relation Studierende pro Personalstelle liegt in Sachsen über dem Durchschnitt für Universitäten in Deutschland. Der Anteil der Drittmittel an der Finanzierung der Hochschulen wächst stetig, 2008 wurden knapp 18 Prozent der Beschäftigten aus dieser Quelle bezahlt. Auch die Ausgaben der Hochschulen insgesamt sind gewachsen und stiegen von 1993 1,2 Mrd. auf 2007 rund 1,8 Mrd. Euro.

Am 1. Januar 2009 ist das neue Sächsische Hochschulgesetz in Kraft getreten. Es verschafft den Hochschulen mehr Eigenverantwortung und Gestaltungsrecht u.a. bei der Verwaltung von Haushaltsmitteln. Daneben werden die Rechte und Kompetenzen bei der Selbstverwaltung gestärkt. Erhebliche Umstrukturierungen haben somit aus der sächsischen Hochschullandschaft vor der Wende einen auch für Gesamtdeutschland bedeutsamen Hochschulstandort entstehen lassen.