Bevölkerung und Demographie

Bevölkerung und Demographie

Im Freistaat Sachsen lebten 2010 4,15 Mio. Menschen (Quelle: Statistisches Landesamt), deutschlandweit sind es knapp 82 Millionen Einwohner. Im Bundesvergleich liegt Sachsen damit an sechster Stelle zwischen dem kleinsten Land, der Freien und Hansestadt Bremen mit rund 662.000 Einwohnern und dem bevölkerungsreichsten Land Nordrhein-Westfalen mit rund 18.000.000 Einwohnern. Zugleich ist Sachsen das bevölkerungsreichste und am dichtesten besiedelte Land unter den neuen Bundesländern. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung Sachsens lag 2010 bei nur 2,7 % und ist damit im Bundesvergleich sehr gering (Ausländerquote 8,7 %).

Der Freistaat Sachsen hat seit Jahrzehnten mit einem umfangreichen Bevölkerungsrückgang zu kämpfen. Die bisher höchste Einwohnerzahl hatte Sachsen im Jahr 1950 mit etwa 5.680.000 Menschen erreicht. Seither ist die Bevölkerungsentwicklung ständig rückläufig: 1979 lebten in den sächsischen Bezirken etwa 5.420.000 Menschen, 1989 waren es noch knapp über fünf Millionen. 1990 hatte der Freistaat noch 4.770.000 Einwohner und im Jahr 2010 beträgt die Einwohnerzahl noch 4,15 Mio und verringerte sich alleine in 2010 um 19.255 Einwohner gegenüber dem Vorjahr.

Seit 1989 hat sich die Bevölkerung Sachsens damit um 750.000 Einwohner vermindert; bis 2020 wird ein weiterer Rückgang um 15 Prozent auf rund 3,9 Mio. prognostiziert.

Die Ursachen für den Bevölkerungsrückgang sind vielschichtig, ein Verweis auf die Flüchtlingszahlen der Übersiedler von 1989 und 1990 alleine greift zu kurz. Betrachtet man die Zeiträume im Einzelnen, so ergibt sich ein differenzierteres Bild der räumlichen Bevölkerungsbewegung: In den Jahren 1990 bis 1992 hatte der Freistaat Sachsen die größten Bevölkerungsverluste durch Abwanderung zu verzeichnen.

1990 fiel der Negativ-Saldo von Zu- und Abwanderungen mit einem Verlust von 117.565 Bürgern am größten aus. Von 1993 bis 1998 war in Sachsen das Wanderungssaldo sogar positiv (+39.901). Bis 2001 war dann ein erheblicher Anstieg des Negativ-Saldos feststellbar. Die größte Zahl an Fortzügen seit der Wiedervereinigung war im Jahr 2001 zu verzeichnen (- 16.893). Seitdem sinkt die Zahl der Fortzüge aus Sachsen wieder ab.

Wesentliche Ursache für den Bevölkerungsrückgang sind die massiven Geburtenausfälle insbesondere in den letzten vier Jahrzehnten und vor allem der dramatische Einbruch der Geburtenrate Anfang der 90er Jahre. Aufgrund steigender Geburtenzahlen hat sich seit Mitte der 90er Jahre das Defizit wieder verringert. Seit 1998 liegt die Zahl der Lebendgeborenen in Sachsen um ca. ein Drittel über dem Tiefststand von 1994. Mit einer durchschnittlichen Geburtenzahl von 1,3 Kindern je Frau lässt sich die Bevölkerungszahl nicht stabil halten. Gleichzeitig sterben auch weiter deutlich mehr Menschen als geboren werden. Als Folge dieser natürlichen Bevölkerungsbewegung und der Tatsache, dass überwiegend junge Menschen den Freistaat verlassen, hat Sachsen den höchsten Altersdurchschnitt aller Bundesländer. 2010 war fast jeder vierte Sachse 65 Jahre und älter.

Nach einer Phase der Stabilisierung schwächt sich der Bevölkerungsrückgang in Sachsen nun allmählich wieder ab. Nach vorläufigen Berechnungen hat sich die Bevölkerung im Freistaat im ersten Halbjahr 2005 nur um knapp 0,3% verringert. Dieser Bevölkerungsrückgang wurde zu 77% durch ein Geburtendefizit und nur zu 23% durch Wanderungsverluste verursacht.

Die dargestellte Entwicklung zeigt sich zwar so oder in abgeschwächter Form fast überall in Europa, in Sachsen wird der demographischer Wandel aufgrund der besonderen Gegebenheiten jedoch früher als anderswo zu spüren sein. Der Bevölkerungsrückgang zeitigt erhebliche Folgen für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, wie z. B. im Schulwesen des Freistaates: Seit 1990 haben sich die Schülerzahlen in Sachsen halbiert. Diese dramatische Entwicklung wird in einigen Jahren auf die Hochschulen und Berufsausbildungsplätze verlagert werden. Ein Rückgang des Arbeitskräftepotentials wird die Arbeitsmärkte der Zukunft vor ganz neue Probleme stellen. Sinkende Steueraufkommen bei steigenden Kosten für Infrastrukturmaßnahmen stellen eine große Herausforderung für die öffentlichen Haushalte dar. Auch der Wohnungsmarkt und die Gestalt der Städte wird sich bei sinkenden Einwohnerzahlen stark verändern.

(Rehfeld-Staudt)